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Teil 1: Performance-Theorien (Vorlesung), 051600, SoSe26, Mi 10-12, Prof. Dr. Dorota Sajewska ( dorota.sajewska@rub.de) Teil 2: Performance-Theorien (Begleitseminar) a) 051606, SoSe 26, GB 03/142, Mi 12-14, Dr. Karina Rocktäschel ( karina.rocktaeschel@rub.de ) ode r b) 051607, SoSe 26, Do 10-12, Dr. Gerko Egert ( gerko.egert@rub.de ) Die Performance Studies sind nicht mit der Theaterwissenschaft gleichzusetzen, sowohl hinsichtlich der Geschichte des Faches als auch bezüglich der Forschungsgegenstände. Im Gegensatz zur Disziplin, die sich am Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa in der Abgrenzung von der Dominanz der Literaturwissenschaft formierte, entstanden die Performance Studies in den 1980er Jahren im nordamerikanischen Kontext als ein genuin interdisziplinäres Feld, wenn nicht gar als Post-Disziplin. Aufgrund der Breite von Untersuchungsmethoden und der Definitionsunschärfe der Kategorie „Performance“ verweigern sie sich einer Eingrenzung und jeglicher Kategorisierung. Die Performance Studies können eher als Vernetzung von unterschiedlichen Methoden, Bereichen und Disziplinen beschrieben werden, wie Anthropologie, Psychoanalyse, Soziologie, Sprachphilosophie, Literatur-, Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Gender Studies, Queer Theory, Black and Brown Studies. Teil 1: Die Vorlesung versucht, vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte der amerikanischen Performance Studies eine kritische und nicht zuletzt subjektive Auseinandersetzung mit den Methoden, Konzepten, Auffassungen und Gegenständen der Performance- und Performativitätsforschung anzubieten. Performance wird als Handlung, Prozess und Praxis, aber auch als Vermittlungsmodus und epistemisches Modell verstanden. Es handelt sich dabei sowohl um ästhetische Ausdrucksformen und Produktionen als auch um Alltagspraktiken und Selbsterfahrungen, Performativität der Geschlechter sowie um Materialisierungen von Gemeinschaftlichkeit und politische Interventionen. Neben theoretischen Texten, die sich mit der Verschränkung von ästhetischer, sozialer, politischer und kultureller Performance und Performativität auseinandersetzen (Richard Schechner, Peggy Phelan, José Esteban Muñoz, Rebecca Schneider, Diana Taylor, Judith Butler, Fred Moten), werden auch Schriften diskutiert, die performative Theorien etablieren, ohne sich auf performative Künste und menschliche Handlungskonzepte zu beziehen (Bruno Latour, Donna Haraway, Paul B. Preciado, Anna L. Tsing, Elisabeth Povinelli). Schließlich werden wir uns in den einzelnen Sitzungen auch Zeit nehmen, um gemeinsam Beispiele von Performances zu betrachten und uns mit den Aporien unseres Forschungsgegenstandes auseinanderzusetzen. Dabei werden wir mit immer wiederkehrenden Fragen konfrontiert: Was ist Performance? Wie lassen sich ihre Grenzen bestimmen? Wie beschreibt man Performance, wenn sie selbst als Methode angesehen werden kann? Wie wird das Schreiben über Performance selbst zum performativen Akt? Kann die Performance archiviert werden? Welche Position kommt dem Körper als Träger der Erfahrung zu? Was ist Performativität? In welchem Verhältnis steht Performativität zu verwandten Kategorien wie Effizienz und Wirksamkeit, Handlungsmacht und Handlungsfähigkeit, Relationalität und Beziehungshaftigkeit? Wie performativ sind Theorien des Performativen? Und nicht zuletzt: Wie politisch sollen die Performance-Theorien sein? Teil 2 : Das Begleitseminar zur Vorlesung „Performance Theorien“ vertieft und erweitert die von Prof. Dr. Dorota Sajewska vorgestellten theoretischen Positionen und Beispiele. Im Zentrum steht die gemeinsame Diskussion zentraler Ansätze zu Performance, Performanz und Performativität mit dem Ziel, diese kritisch zu durchdringen und eigenständig weiterzudenken. Entsprechend werden die Inhalte der Vorlesung im Seminar durch die Analyse konkreter Beispiele aus künstlerischen, sozialen und politischen Performances ergänzt und weitergeführt. Die Auseinandersetzung mit den Performance Studies wird dabei – in Anschluss an Henry Bial und Sara Brady – als Arbeit in einem bewusst eklektischen Feld verstanden, das sich zunächst nur tautologisch fassen lässt: „performance studies is what performance studies people do“ (Bial und Brady 2025: 1). Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar nach zentralen Entwicklungen innerhalb des Feldes, nach unterschiedlichen theoretischen und methodischen Zugängen sowie nach deren jeweiliger Relevanz. Zugleich wird diskutiert, welches analytische Potenzial die Ansätze der Performance Studies eröffnen, was mit dem Begriff der Performance jeweils geleistet werden kann und wo dessen begriffliche wie methodische Grenzen liegen. Das Seminar vermittelt ein theoriegeleitetes, zugleich an Beispielen erprobtes Verständnis von Performance, Performanz und Performativität. Die behandelten theoretischen Positionen werden nicht nur rezipiert, sondern systematisch auf ihre politischen, epistemologischen und ästhetischen Implikationen hin befragt. Ziel ist es, analytisches Denken und wissenschaftliches Schreiben zu schärfen, Möglichkeiten des performative writing (Phelan 1993) zu erproben sowie zu untersuchen, inwiefern Performance und performative Forschung als methodische Zugänge künstlerischer Forschung oder ästhetischer Bildung produktiv gemacht werden können. |