Modul: Streitfälle - Politische und gesellschaftliche Konflikte im geteilten Deutschland

Modulname Streitfälle - Politische und gesellschaftliche Konflikte im geteilten Deutschland
Gebiet
Profil Profil Praxis Profil Freie Studien Profil Wissensvermittlung
CPs 5 CP
Campus Hier geht es zum Vorlesungsverzeichnis
Voraussetzungen Offen für Studierende aller Fachbereiche (im Sinne interdisziplinärer Demokratiebildung).
Besonderheiten TN-Plätze: Angeboten werden 25 Plätze für Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die das Modul (Seminar und Vorlesung) besuchen möchten. Termin der ersten Sitzung: 17. April 2026, 10-12 Uhr, GB 04/86 (= erste Sitzung des Seminars, zugleich letzte Möglich-keit zur persönlichen Anmeldung im Modul) Anmeldung: Anmeldung einfach per E-Mail an: idf@rub.de Wir sorgen dann für die Eintragung der Noten usw. bei Campus über den Optionalbereich. Zusammensetzung der Endnote: Die Endnote ergibt sich aus der entsprechend gewichteten Note für den Modulteil 1 (Ringvorlesung, 40 %) und der Note für den Modulteil 2 (Seminar 60 %). Prüfungstermin: Die Abschlussklausur wird in der vorletzten Sitzung der Ringvorlesung (vsl. 15.7.2026, 12.15 Uhr) geschrieben; Nachschreibetermine werden gewährt und individuell vereinbart.
Blockseminar Nein
Vorkenntnisse Offen für Studierende aller Fachbereiche (im Sinne interdisziplinärer Demokratiebildung).
Veranstaltungszeit
Dozenten Frank Hoffmann
Arbeitsaufwand Ca. 60 Stunden Präsenzzeit (Vorlesung, Seminar), ca. 90 Stunden Selbstlernzeit (Lektüre von Material zur Vorlesung und zur Vorbereitung der Seminarsitzungen sowie Erarbeitung eines Referats für das Seminar und schriftliche Ausarbeitung als Essay oder Studie; Nacharbeit der Ringvorlesung, deren Ergebnisse in einer individuellen Klausur (60 Minuten) aus fünf selbst bzw. frei gewählten Themen der Ringvorlesung gesichert werden. Allgemeine Aufgaben der Teilnehmenden sind die regelmäßige aktive Teilnahme an Vorlesung und Seminar (beide mit Raum für Fragen und Diskussionen), Bereitschaft zur Lektüre und eigene Beiträge wie Referat, Präsentation usw. und deren Ausarbeitung.
Literatur Es wird zu Veranstaltungsbeginn eine umfangreiche Literaturliste sowie eine kumulativ wachsende Materialsammlung bei Moodle bereitgestellt. Zur Vorbereitung sind nützlich: Maria-Sibylla Lotter (Hg.): Probleme der Streitkultur in Demokratie und Wissenschaft. Baden-Baden 2023; Steffen Mau / Thomas Lux / Linus Westheuser: Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft. Berlin 2023; Klaus Große Kracht (Hg.): Die zankende Zunft. Historische Kontroversen in Deutschland nach 1945. Göttingen 2005; Martin Sabrow, Ralph Jessen, Klaus Große Kracht (Hg.): Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen nach 1945. München 2003;
Modulteil [320001] Die großen Konflikte – Kulturen des Streits und der Konfliktlösung in der Bundesrepublik und in der DDR - SS 2026, [320003] Streit-Kultur – Konflikte in der deutsch-deutschen Kulturgeschichte 1950-1990 - SS 2026
Modultyp
Modulanbieter Zentrale wissenschaftliche Einrichtungen, Institut für Deutschlandforschung
Inhalt Teil 1: Die großen Konflikte – Kulturen des Streits und der Konfliktlösung in der Bundesrepublik und in der DDR (Ringvorlesung), SoSe 2026, GB 04/86, Mi 12-13.30 Uhr Teil 2: Streit-Kultur – Konflikte in der deutsch-deutschen Kulturgeschichte 1950-1990 (Seminar), SoSe 2026, GB 04/86, Fr 10-12 Uhr Wir müssen neu streiten lernen. Ob in den sozialen Medien, in der Politik oder in privaten Zusammenhängen: Viele gewinnen den Eindruck, dass es immer schwerer fällt, Konflikte zu lösen oder einzudämmen, Kompromisse zu finden und sich vor Hass zu schützen. Das gilt z. B. auch für das von immer neuen Empörungswellen bestimmte deutsch-deutsche Gespräch, den Streit zwischen Ost und West, auch in Europa, um von kriegerischen Konfliktaustragungen und der Wut-Rhetorik mancher Mächtigen noch zu schweigen. Diese Konfliktkrise setzt unsere Freiheit und die liberale Demokratie mit ihrer offenen Gesellschaft unter massiven Druck. Von dieser Gegenwartsbeschreibung aus richten wir den Blick in die Vergangenheit: Um neue Streitkulturen zu wagen, bedarf es der Rückversicherung an Erfahrungen mehr oder weniger gelungener Konfliktbewältigung. Sowohl die Kulturgeschichte der DDR als auch die Geschichte der Bundesrepublik vor 1990 lassen sich als Abfolge großer Streitfälle schildern – die in aller Regel das Land vorangebracht haben, weil, bei aller Härte des Kampfes im Einzelnen, doch am Ende in vielen (nicht allen) Fällen ein Ausgleich und eine wechselseitige Anerkennung möglich waren. Im WS 2026/27 folgt ein Modul zu aktuellen Konfliktfeldern. Beide stehen in einem Zusammenhang, können aber auch einzeln sinnvoll und mit Gewinn besucht werden. Inhaltliche Beschreibung Teil 1: Die großen Konflikte – Kulturen des Streits und der Konfliktlösung in der Bundesrepublik und in der DDR (Ringvorlesung) War früher einfach alles besser? Gelang damals – trotz oft großer Kriegsfurcht (Kubakrise, Nachrüstungsdebatte) und akuten Zukunftsängsten (Waldsterben, Ozonloch, Tschernobyl) – eine gesellschaftliche Konfliktlösung eher, vielleicht ohne die befeuernde Kraft von social- media? Gelungene Beispiele für eine mittelfristige Konfliktbeilegung sind etwa die beiden Grundlagenkonflikte der westdeutschen Außenpolitik: Adenauers Politik der Westbindung (und Wiederbewaffnung) stieß zunächst auf sehr große Vorbehalte und wurde erst nach einem Jahrzehnt zur anerkannten Grundlage aller wichtigen politischen Kräfte. Wie war das möglich? Umgekehrt wurde auch Brandts Neue Ostpolitik scharf kritisiert, und nicht nur von der Opposition, sodass er sogar 1972 die Mehrheit im Bundestag verlor. Langfristig setzte sich dieser Kurs aber ebenso durch und auch Kohl führte diese Politik fort. Die Ringvorlesung konzentriert sich aber keineswegs auf Fragen der „großen“ Politik. Vielmehr werden viele gesellschaftliche, intellektuelle und kulturelle Debatten vorgestellt, an denen man andere Diskursformen erkennen kann, von denen vielleicht zu lernen wäre. Das Feld ist denkbar weit und reicht von der Frauen- und Emanzipationsbewegung sowie dem Streit um Atomwirtschaft und Umweltschutz bis hin zum Historikerstreit um die Bewertung des Nationalsozialismus. Viele Konfliktfelder waren deutsch-deutsch bestimmt, zum Beispiel als 1976 die DDR den Liedermacher Wolf Biermann ausbürgerte oder als bei der Kasseler Documenta im Jahr darauf Maler und Bildhauer aus der DDR als „Staats-künstler“ angegriffen wurden – übrigens von Kollegen, die selbst einmal in der DDR gelebt hatten! Auch wenn die Herrschaftsstrukturen in der DDR die freie Konfliktaustragung erschwerten, sind einige Grundsatzdebatten aus dem SED-Staat in die Betrachtung einbe-zogen, um spezifische Partizipationsformen (z. B. Eingaben), an die heute wieder erinnert wird, auf ihr demokratisches Potenzial für eine Streitkultur von morgen hin zu befragen. Die Vorlesungsreihe wird mit diskursiven Elementen verbunden. Natürlich gibt es in jeder Veranstaltung nach dem Vortrag eine Diskussion mit Gelegenheit zu Fragen und Beiträ-gen. Darüber hinaus werden aber spezifische Diskursformen (Workshops, World Café, Knowledgde Café) in die Vorlesungsreihe integriert, um Studierende, Lehrende und alle interessierten Mitwirkenden dauerhaft zum streitig-respektvollen Austausch einzuladen. Inhaltliche Beschreibung Teil 2 : Streit-Kultur – Konflikte in der deutsch-deutschen Kulturgeschichte 1950-1990 (Seminar) Das Seminar hat einerseits eine unterstützende und vertiefende Funktion zur Ringvor-lesung, weil hier sehr viel ausführlicher einzelne wesentliche Konfliktgeschichten mit Materialien dokumentiert und dann auch von den Studierenden selbständig erarbeitet und vorgestellt werden sollen. Auf der anderen Seite konzentriert sich das Seminar primär auf die Kultur und die Künste sowie große historische Debatten (z. B. Fischer-Kontroverse), die nicht nur die Fachleute interessiert haben. Es geht um den Streit über Bücher, Filme, Kunstwerke oder kulturelle Innovationen (z. B. die Postmoderne), aber auch um literaturpolitische Debatten und Generationskonflikte, wie etwa die berühmten „1968er“, die sogar den „Tod der Literatur“ verkündet hatten. Ausgehend von vielen Einzelbeispielen werden so langfristige Formate der Auseinandersetzung und eine Kulturgeschichte als Konfliktgeschichte erarbeitet. Dabei setzen die Studierenden mit ihren Interessen und thematischen Wünschen wichtige Akzente. Wieder werden Bundesrepublik und DDR komplementär und vergleichend betrachtet, auch wenn bestimmte Diskursformen oder das Wechselspiel von Macht und Kultur, Freiheit und Zensur jeweils systembedingt unterschiedlich zu bewerten sind. Nur einige mögliche Themen seien beispielhaft genannt: die „Gruppe 47“ und ihre internen Diskursformate wie auch ihre vielfältigen Kämpfe mit der Politik, der Streit um „Opas Kino“ im Oberhausener Manifest, der Geschlechterkampf in den 1970er Jahren oder die Debatte um Moderne und Postmoderne. In der DDR-Kultur ist die Durchsetzung des Sozialistischen Realismus in der Kunst in Folge des „Formalismusstreits“ eine Grundlagen-entscheidung gewesen. Aber auch über einzelne Bücher und Theaterstücke, z. B. von Heiner Müller, Ulrich Plenzdorf oder Christa Wolf wurde wild und am Ende entscheidungs-offen diskutiert. Manchmal wurden Filme aber auch einfach verboten und Bücher kamen in den Giftschrank. Zensur und Zensurdebatten gab es aber auch im Westen. Aus dem spezifischen Fokus des „Streits“ werden Künste und Kultur früherer Jahre lebendig und übertragbar in aktuelle Auseinandersetzungen und Debatten.
Lernziele Das Modul geht von dem Befund aus, die Kultur des gesellschaftlichen und auch wissenschaftlichen Streitens und der Konsensfindung neu zu bewerten und zur Diskussion zu stellen. Das setzt die Bereitschaft zur diskursiven Offenheit voraus. Sie soll ermutigt, erprobt und trainiert werden. Die Kompetenzen einer respektvollen, aber auch mutigen Streitkultur sollen ebenso vermittelt werden wie eine Wertschätzung von Impulsen der Konsensfindung und der Kultur des Kompromisses. Das Modul vermittelt vielfältige Impulse für fachübergreifende Arbeit, ermutigt also ausdrücklich zur Interdisziplinarität. Es vermittelt gegenwartsbezogenes wie historisches und kulturgeschichtliches Wissen für Deutschland zwischen 1945 und 1990. Darstellungskompetenz wird in unterschiedlichen mündlichen (z. B. präsentierenden, referierenden und debattierenden) Formaten sowie mit einer schriftlichen Aufgabe (Essay oder Studie) geübt und vermittelt. Mut und Bereitschaft zu Diskurs und Debatte sind vorausgesetzt, werden aber auch systematisch ermöglicht und gefördert. Der inneren Qualitätssicherung und der Leistungskontrolle dient eine Klausur am Ende der Vorlesung. Das Modul versteht sich ausdrücklich als Impuls für inter- und multidisziplinäres Arbeiten. Es vermittelt kulturelles, soziokulturelles und historisch-politisches Wissen, primär (aber nicht exklusiv) zur deutschen Zeitgeschichte und zur Gegenwart, im fachübergreifenden Zusammenwirken von Vertreterinnen und Vertretern der Literatur- und Kulturwissenschaft, der Medien- und Theaterwissenschaft, der Theologie, der Geschichts-, Sozial- und Politikwissenschaft und verwandter Bereiche. Neben die fachliche Kompetenzorientierung tritt die Methodenkompetenz dank der kritischen Reflexion fachlicher Grenzen und ihrer systematischen Überschreitung. Darstellungskompetenz wird in unterschiedlichen mündlichen (z. B. diskursiven, präsentierenden, referierenden und debattierenden) Formaten sowie mit kleinen schriftlichen Aufgaben (Essay, Studie) geübt und vermittelt. Offenheit und Freude an fachübergreifenden Perspektiven sollen ebenso vermittelt werden wie sie sich als hilfreich für die Teilnahme erweisen. Zu den zentralen Lernzielen gehört die Erörterung erinnerungskultureller, literarisch-künstlerischer und historischer Sachverhalte. Mut und Bereitschaft zu Diskussion und Meinungsstreit sind damit vorausgesetzt, sie sollen aber auch systematisch gefördert und ermöglicht werden.