Modul: Ist der "Don Quijote" ein (ß) Buch, hatte Ophelia zwei Nieren, warum leiden wir mit fiktiven Hobbits, weshalb lesen friedliebende Menschen Horrorromane...? Philosophische Probleme der (schönen) Literatur (Weidemann)

Modulname Ist der "Don Quijote" ein (ß) Buch, hatte Ophelia zwei Nieren, warum leiden wir mit fiktiven Hobbits, weshalb lesen friedliebende Menschen Horrorromane...? Philosophische Probleme der (schönen) Literatur (Weidemann)
Gebiet Gebiet 4
Profil Profil Freie Studien
CPs 5 CP
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Voraussetzungen Studierende des Fachs „Katholische Theologie“ sind ausgeschlossen. Ansonsten keine Voraussetzungen.
Besonderheiten 15/30 Teilnehmer Öffnung für weitere Teilnehmer ist u.U. möglich.
Blockseminar Nein
Vorkenntnisse keine
Veranstaltungszeit Donnerstag 10:00 - 12:00, Montag 12:00 - 14:00
Dozenten Christian Weidemann
Arbeitsaufwand 90 h Eigenarbeitszeit und 60 h Präsenzzeit
Literatur
Modulteil [020008] Philosophie der Literatur - SS 2026, [020003] Einführung in die Sprachphilosophie und Hermeneutik - SS 2026
Modultyp
Modulanbieter Katholisch-Theologische Fakultät
Inhalt Das Rezipieren erfundener Geschichten bildet für die meisten Menschen einen kaum zu missenden Bestandteil ihres Lebens. Doch warum investieren wir so viel Zeit, emotionale und intellektuelle Energie in Ereignisse und Figuren, die gar nicht „wirklich“ existieren? Ist es nicht genauso irrational, sich vor Rotkäppchens Wolf oder Hannibal Lecter zu gruseln, wie Angst vor vermeintlichen Monstern unter dem Bett zu haben? Was ist ein fiktionales Werk und worin unterscheidet es sich von nicht-fiktionalen, z.B. wissenschaftlichen oder journalistischen Texten? Ist die Struktur des Werks, die Intention der Autor:innen oder die Einstellung der Konsumenten entscheidend? Sherlock Holmes hat es nie gegeben, doch „Sherlock Holmes war ein berühmter Detektiv“ hört sich weniger falsch an, als „Sherlock Holmes war ein irrender Ritter.“ Wenn es eine Wahrheit in Fiktionen gibt, worin besteht sie? Umfasst sie auch Aussagen, die die Autoren nicht explizit aufgeschrieben oder gar nie bewusst beabsichtigt haben? Das Hauptseminar zu diesen Themen, in dem wir neben philosophischen Texten auch literarische Beispiele analysieren werden, wird komplettiert durch eine Vorlesung, die in Grundfragen der Sprachphilosophie und Hermeneutik einführt. Teil 1: VL: Einführung in die Sprachphilosophie und Hermeneutik, SoSe 2026 (Weidemann) Inhaltliche Beschreibung Teil 1: Durch den Ausstoß von Schallwellen oder das Malen von Strichen und Kreisen teilen Menschen einander komplexe Informationen mit. Je länger man über diese scheinbar selbstverständliche Tatsache nachdenkt, umso erstaunlicher und rätselhafter wird sie. Wie bekommen Zeichen Bedeutung? Wie funktioniert Verstehen? Wie Übersetzen? Wie und warum ist Sprache entstanden? Wie erlernen wir neue Sprachen? Könnten wir uns auch mit Außerirdischen unterhalten? Wie kommt es, dass ein Name sich auf eine ganz bestimmte Person oder ein ganz bestimmtes Objekt bezieht, und nicht auf etwas anderes? Was ist Wahrheit, was ist Lüge, was literarische Fiktion? Welche Funktionen erfüllt Sprache noch, abgesehen von der Mitteilung von Sachverhalten? Wir werden auch darüber nachdenken, was sprachphilosophische Einsichten für den verantwortungsvollen Umgang mit Medien, für Politik (z. B. das bessere Verstehen Andersdenkender; Identifikation von Bullshit und Propaganda; Verunglimpfungen; gendergerechte Sprache) und für Religion (z.B. Exegese, religiöse Sprechakte wie das Gebet, Gottesnamen) austragen. Teil 2: HS: Philosophie der Literatur, SoSe 2026 (Weidemann) Inhaltliche Beschreibung Teil 2: Fiktionale Geschichten bilden einen wichtigen Teil der menschlichen Kultur, ihre Rezeption kann lebensverändernd wirken. Bei näherem Nachdenken erscheint das rätselhaft. Was gehen uns Figuren an, die gar nicht existieren? Ist es nicht völlig irrational, mit Frodo zu leiden oder Voldemort die Pest an den Hals zu wünschen? Wir werden uns mit vielen weiteren faszinierenden Problemen befassen: Wenn ich vom Werk „Don Quijote“ spreche, worauf beziehe ich mich? Offenbar nicht auf das Buch in meinem Schrank, aber worauf dann? Sind von fiktiven Figuren Dinge wahr, die ihr Autor nicht explizit aufgeschrieben hat? Hatte Ophelia z.B. zwei Nieren? Wie unterscheiden sich fiktive und nicht-fiktive Prosa? Wenn ein Journalist seine Reportagen frei erfindet, werden sie dadurch zu schöner Literatur? Und wenn die Verfasserin eines historischen Romans zufällig die Vergangenheit genau so beschreibt, wie sie tatsächlich war, hört ihr Roman dann auf, ein Roman zu sein? Warum lesen Menschen Tragödien und Horrorgeschichten, die bei ihnen Emotionen auslösen, die sie im Alltag um jeden Preis zu vermeiden suchen?
Lernziele Erlernen der Grundlagen der Philosophie der Literatur, Fiktion, Hermeneutik; Interpretation philosophischer Texte.